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05.02.2018

"Barocke Pracht. Silber aus dem Hildesheimer Dom"

Exklusivführung durch die Ausstellung im Dommuseum für die Mitglieder des Dombauvereins


"Durch die Bombardierung 1945 ging die prachtvolle barocke Ausstattung des Hildesheimer Domes unwiederbringlich verloren. Glücklicherweise konnten aber zahlreiche Silberreliefs aus dem Altarraum rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, darunter das sog. Große Antependium, eine aufwendige Kölner Arbeit aus der Zeit aum 1700. 2017 konnte dieses Stück mit Hilfe des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim gereinigt werden und steht jetzt im Zentrum der Ausstellung."

Diesen einleitenden, Neugier weckenden Worten der Einladung folgten interessierte Mitglieder des Dombauvereins. Die Direktorin des Dommuseums Prof. Dr. Claudia Höhl begrüßte die Gäste sehr herzlich und führte zusammen mit Diplom-Restaurator Uwe Schuchardt durch die Ausstellung. Erläutert wurde die barocke Altarraumausstattung und das Konservierungsprojekt.

Gleich zu Beginn verwies Prof. Dr. Claudia Höhl auf die Sog. Plettenberg-Madonna. Das Gemälde zeigt die Madonna umgeben von Engelsköpfen und am unteren Bildrand den Hildesheimer Dom. Die Inschrift benennt Jobst von Plettenberg als Stifter. Die Malweise lässt annehmen, dass ein ursprünglich vorhandenes Portät einer adeligen Dame übermalt und umgearbeitet wurde - schon damals der "Recycling-Gedanke" so Prof. Dr. Claudia Höhl mit einem Augenzwinkern.

Besonders beeindruckende Ausstellungsobjekte sind die Votivkronen und die Weltkugel für die "Große Goldene Madonna" und die spägotische Gnadenmadonna in der Krypta. Uwe Schuchardt erläuterte die sehr aufwändigen Arbeiten und die frühe Form von geschliffenen Diamanten. Gut nachvollziehbar ist die Entwicklung der Goldschmiedearbeiten.

Weitere beeindruckende Exponate stellte Prof. Dr. Claudia Höhl vor: Kasel und Kelchvelum der "Lilafarbigen Kapelle" - das Gewand des Priesters und die Bedeckung des Kelches aus italienischer Seide des späten 18. Jahrhunderts. Der Vorsatz für die Tabernakeltür des Domhochaltars zeigt die Rückkehr der Heiligen Familie aus Ägypten. Uwe Schuchardt erläuterte, dass die Tür aus einem Stück gefertigt wurde, beschrieb einprägsam, wie eine Form "herausgetrieben" wird und welche verschiedenen Hammerformen benutzt wurden. Prof. Dr. Claudia Höhl unterstrich das ästhetische Ergebnis.

Im Zentrum der Ausstellung stand das Große Antependium aus dem Hildesheimer Dom, das vor dem Lettner stimmungsvoll beleuchtet aufgebaut war. Das in Silber getriebene Antependium diente als Vorsatztafel zur Zier des Hochaltars und wurde aus dem Nachlass des 1696 verstorbenen Domherren Heinrich Adolph Freiherr von und zu Frentz, Kendenich und Stolberg gestiftet. Das Bildprogramm zeigt die drei heiligen Familien: Maria mit Josef und Jesus, Anna und Joachim mit Maria sowie Elisabeth und Zacharias mit Johannes dem Täufer, dazwischen die Apostel Petrus und Paulus. Geschaffen wurde das Silberreflief vom Kölner Goldschmied Johannes Dick um 1700. Uwe Schuchardt wies auf Details der aufwändigen Arbeit hin und schätzte, dass ca. 40 kg Silber verarbeitet wurden. Bei der weiteren Beschreibung der erfolgten Reinigung verdeutlichte Uwe Schuchardt die aus 120 Einzelteilen bestehenden 5 Bildtafeln als hoch komplizierte Arbeit und für diese Zeit nur für Handwerker mit großem Erfahrungsschatz und in Arbeitsteilung durchführbar. Prof. Dr. Claudia Höhl ergänzte den Aspekt, dass nicht nur der heilsgeschichtliche Zusammenhang der Darstellung zu sehen ist sondern auch ein sich entwickelndes Bild der damaligen Gesellschaft: das Familienbild, die Frömmigkeit und die geschichtliche und philosophische Entwicklung.

Im Anschluss der beeindruckenden Führung gab es die Gelegenheit, sich bei einem kleinen Imbiss weiter auszutauschen, was die Teilnehmer sehr gern annahmen.