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18.11.2017

Martyria.Zeugnis geben

Das ist der Titel der diesjährigen Veranstaltung der Kolloquiumsreihe "Hildesheimer Domgespräche".


Beim diesjährigen Kolloquium des Dombauvereins in Kooperation mit dem Verein für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim ging es um Menschen, denen ihr Glaube in ihrem Leben eine kontinuierliche Orientierungshilfe gewesen ist.

Jens Mahnken, stellvertretender Vorsitzender des Dombauvereins, begrüßte im voll besetzten Saal des Bischöflichen Generalvikariats die Teilnehmer herzlich zum zweiten Teil der Kolloquiumsreihe "Hildesheimer Domgespräche" und gab seiner Freude über die große Resonanz Ausdruck. Jens Mahnken überbrachte die Grüße des gesamten Vorstands, der es sehr schätzt, diese besondere Veranstaltungsreihe anbieten zu können. Damit unterstützt der Dombauverein den Ort Mariendom als Ort des Zeugnis und Ort des Glaubens und setzt kulturelle Impulse. Die Fortsetzung des Kolloquiums wird dem Dombauverein auch in den nächsten Jahren ein wichtiges Anliegen sein und bleiben.

Als Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Kunst begrüßte Dr. Thomas Scharf-Wrede die Teilnehmer und dankte, dass diese der Einladung gefolgt sind. Ebenso dankte er den Referenten, die mit ihrem Wissen das Wissen der Kolloquiumsgäste bereichern werden. Dr. Scharf-Wrede gab einen Überblick über das Tagesprogramm, das sich sowohl auf die biblische Grundlegung des Auftrags "Martyria" fokussiert als auch letztendlich die Umsetzung im Bistum Hildesheim ins Auge fasst.

Den Anfang der Referenten machte Dr. theol. habil. Carmen Diller und erläuterte anschaulich den Verkündigungsauftrag Jesu und seine alttestamentlichen Wurzeln in bezug auf das Bibelwort: "Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen." (Joh 1,7).

Prof. Dr. Dr. Jörg Bölling stellte gelebte Glaubenszeugnisse vor und beleuchtete den Begriff "Zeugnis" anhand von historischen und religiösen Beispielen aus der Zeit des Altertums, des Mittelalters und der Neuzeit. Im besonderen Fokus standen dabei die Bekenntnisse von Gregor dem Großen, Elisabeth von Thüringen und Thomas Morus.

Anschließend referierte Pfarrer Stefan Bringer über Volksfrömmigkeit im Bistum Hildesheim am Besipiel der Pfarrgemeinde Harsum. Die Volksfrömmigkeit entwickelte sich über die Jahrhunderte. Deren wichtiges Ausdrucksmittel sind Prozessionen, die "die Religion zu den Menschen bringen". Pfarrer Stefan Bringer brachte die in der Pfarrgmeinde Harsum mit den Kirchorten Asel und Algermissen gelebte Tradition der Prozessionen sehr anschaulich nahe.

Als Künstlerseelsorger der Diözese beschrieb Pfarrer Ulrich Schmalstieg, wie der Glaube in Bildern lebt. Er gab Beispiele von Kunstwerken aus Hornburg, Grauhof, Liebenburg und Hildesheim. Das Schlussbild war das Kristallkreuz der Irmensäule im Dom, das sinnbildlich an die Kreuzverehrung erinnert. Pfarrer Ulrich Schmalstieg endete mit den Worten: „Man muss genau hinsehen, aber man kann eine Menge sehen und auch verstehen.“

In der Pause war die Möglichkeit, im Roemer- und Pelizaeusmuseum einen Blick auf christliche Glaubenszeugnisse aus Ägypten zu werfen. Nach dem Imbiss und Gesprächen bei einer Tasse Kaffee ging es mit dem Tagesprogramm weiter.

„Politik aus christlicher Verantwortung“ war das Thema von Prof. Dr. Hans-Georg Aschoff. So wurde anhand der Beispiele von Ludwig Windthorst und Konrad Adenauer beleuchtet, dass es "die Anwendung der christlichen Überzeugung ist, die uns trägt". Ludwig Windthorst gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Parlamentarismus, der nach der Reichsgründung unerschrocken für die Rechte der Kirchen und die Menschenrechte eintrat – ein Wegbereiter des modernen Rechtsstaates. Konrad Adenauer stand für einen weltzugewandten Katholizismus. Sein religiöser Glaube war Antriebskraft für sein politisches Handeln und die Übernahme politischer Verantwortung, die die europäische Dimension mit einschloss.

Dr. Thomas Scharf-Wrede gab einen Überblick über Glaubenszeugnisse aus dem Bistum Hildesheim im 19. und 20. Jahrhundert und erinnerte u.a. an Bischof Eduard Jakob Wedekin. Im weiteren Verlauf kamen per Filmeinspielung Zeitzeugen zu Wort, die sich in beeindruckender Weise an Flucht, Vertreibung und Neuanfang im Bistum Hildesheim nach 1945 erinnerten. „Es sind die Geschichten und Lebenszeugnisse einer Generation, die das Sein und Tun unserer Kirche geprägt hat.“

Als Schlussredner umriss Claus-Dieter Paschek, der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Hildesheim, das Leben aus dem Glauben im 21. Jahrhundert. „Wie können wir heute den Glauben leben und weitergeben?“ Claus-Dieter Paschek blickte auf die jetzige Situation und zukünftige Entwicklungen der Wissensgesellschaft im Zeitalter der Digitalisierung im Kontext der authentischen Glaubensweitergabe.

Mit der Verabschiedung durch Dr. Thomas Scharf-Wrede endete das diesjährige Kolloquium. Die Teilnehmer dankten mit herzlichem Applaus für den informativen und anregenden Tag.